Warum Tragen das SIDS-Risiko senkt

Bei frisch gebackenen Eltern ist SIDS ein großes Thema, weil es hierbei um Leben und Tod geht! Und das macht glaube ich jedem Angst.
Bevor ich euch erkläre warum denn nun gerade Tragen das SIDS-Risiko senken kann, möchte ich euch einige Hintergrundinformationen zu SIDS geben.

SIDS

Für SIDS (engl. Sudden Infant Death Syndrom, deut. plötzlicher Kindstod, oder Krippentod) sind die Ursachen immer noch nicht zweifelsfrei erwiesen und geklärt. Alle Todesfälle die im Schlaf bei Säuglingen unter 1 Jahr diagnostiziert werden und keine erkennbare Ursache haben werden SIDS zugeschrieben. Es wird vermutet, dass ein Kind, welches mit der Diagnosse SIDS gestorben ist, nicht in der Lage gewesen ist, seine Atmung während des Schlafs zu kontrollieren. Filiano und Kinney haben ein Modell entworfen (Tripple-Risk-Model), für die Ursachen des SIDS und gehen von drei ineinander übergreifenden Faktoren aus:

Ursachen plötzlicher Kindstod
Quelle: Plötzlicher Säuglingstod der Ohnmacht begegnen. www.geps.de

Am häufigsten betroffen sind Jungen im alter von 1 bis 6 Monaten und vermehrt in den Wintermonaten in der zweiten Nachthälfte. In Deutschland lag die Insidenz 2001 bei 0.58 Todesfälle in 1000 Säuglinen, laut einer Schätzung der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Kindstod (GEPS). Nach dem ersten Lebensjahr ist das Risiko an plötzlichem Kindstod zu sterben signifikant verringert.

Wie Atmen Babys im Schlaf?

Die Chemorezeptoren, welche in den Blutgefäßen sitzen messen die Konzentration von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut. Sinkt der Sauerstoff im Blut unter einen Mindestwert ab, melden diese Chemorezeptoren sofort an das Gehirn, dass eine schnellere Atmung notwendig ist, um dem Blut wieder mehr Sauerstoff zuführen zu können. Der Herzschlag, Puls und Blutdruck werden ebenfalls erhöht. Die selbe Reaktion ruft eine zu hohe Kohlendioxidkonzentration im Blut aus. Unter Tags, wenn wir nicht schlafen wird die Atmung zusätzlich durch willentliche Mechanismen reguliert. Schlafen wir, ist die Regulierung der Atmung ausschließlich die Aufgabe der Chemorezeptoren.

Die Atmung der Babys folgt keinem regelmäßigen Rhythmus wenn sie schlafen, sondern ist periodisch. Es kann immer wieder zu einem Atemstillstand (Apnoe) kommen der zwischen 15-20 Sekunden dauern kann. Hierbei sinkt dann der Herzschlag und die Sauerstoffkonzentration im Blut fällt ab. Einige Babys atmen nach einem solchen Atemstillstand automatisch weiter (Atemstimulation) und manche wachen auf um bewusst weiter zu atmen (Aufwachreaktion). Sobald das Baby 6 Monate alt ist nimmt der Anteil von periodischem Atem deutlich ab und die Babys atmen regelmäßiger. Dies führt auch zu einem stabileren Kreislauf und einer stabileren Herztätigkeit.

Wir wechseln im Schlaf zwischen Traumphasen (aktiver Schlaf / REM) und Tiefschlafphasen ab. In Schlaflabors wurden diese Phasen untersucht und festgestellt, dass während der Traumphasen (aktiver Schlaf) Atmung und Herzschlag stets stimuliert werden. Reife Neugeborene haben 50% aktiven Schlaf. dieser hohe Anteil im Gegensatz zu Kindern (25% und Jugendlichen 20%) würde erklären warum Neugeborene, welche sich fast ausschließlich im REM befinden nicht von SIDS betroffen sind. Auch wachen Babys häufiger auf (selbst wenn wir Eltern uns nicht daran erfreuen), welches ein natürlicher Schutzmechanismus ist. Erst wenn der kindliche Organismus so weit entwickelt ist, dass die Atemmechanismen sicher beherrscht werden, beginnen Kinder durchzuschlafen. Denn je tiefer ein Mensch schläft, desto mehr nimmt die Herztätigkeit ab. In den Tiefschlafphassen ist die Atemfrequenz dann umso abhängiger von der gesunden Funktion der Chemorezeptoren.

Präventativ gegen SIDS

  • wenn möglich stillen
  • weder in der Schwangerschaft noch danach Rauchen bzw. dein Kind in rauchfreier Umgebung aufwächst
  • das Baby nur auf dem Rücken schlafen lassen (ausser medizinische Gründe sprechen dagegen)
  • Raumtemperatur zwischen 16-18 °C im Schlafzimmer
  • Kind nicht zu warm anziehen
  • Kein Fell, Kuscheltiere oder ähnliches im Bett des Kindes
  • einen passenden Babyschlafsack verwenden
  • und Tragen!

Dieser letzte Punkt bringt mich wieder zum eigentlichen Inhalt dieses Blogeintrags.

Warum vermindert Tragen das SIDS-Risiko?

SIDS ist neben gewissen Umwelt Risikofaktoren eine Störung der Atmungskontrolle und eine neurologische Unreife. Wenn wir uns die Vorteile des Tragens anschauen, dann sehen wir, dass durch eine ständige Anregung verschiedenster Sinne die neuronalen Netze rascher gebildet werden, und sich somit positiv auf die neurologische Unreife auswirkt.

Des Weiteren beeinflusst der Tragende die Atmung des Babys. Wann immer der Tragende einen Atemzug nimmt, stimuliert er/sie das Baby, durch das heben und senken des Brustkorbs sowie die ausgeatmete Luft und dieses Atmet auch, bzw. wird dazu angeregt.

Wenn man Babys an sich trägt fallen diese auch nicht in einen richtig tiefen Schlaf, da meist alle möglichen äusseren Reize (zB. ständige Bewegung der Mutter, Geräusche, Gerüche, etc.) vorhanden sind, was sich auch wiederum positiv auf das SIDS-Risiko auswirkt.

Ich wünsche euch weiterhin schöne Tragemomente!

Eure Christiane

Quellen:

  • Dr.W.Sears. (2010). Schlafen und Wachen. 4. Auflage. La Leche League Schweiz. Zürich.
  • R. Masaracchia. (2012). „Wie du stillst nicht?“ Das Praxisbuch für Mütter die nicht Stillen wollen oder können. Kösel-Verlag. München.
  • Dr.W.Sears. Tragen senkt das SIDS-Risiko. Gesehen am 10.11.2016 auf https://www.didymos.de/magazin/meinungen-und-fotos/experten/dr-william-sears-kinderarzt/
  • B.Nowack. (2003). Schlaf und plötzlicher Kindstod – mögliche Zusammenhänge. Gesehen am 10.11.2016 auf http://das-kind-muss-ins-bett.de/hints_sidssle.html
  • Eulalie. Wissenswertes über den plötzlichen Kindstod (SIDS). Gesehen am 10.11.2016 auf http://www.rabeneltern.org/index.php/wissenswertes/schlafen-wissenswertes/1225-wissenswertes-ueber-den-ploetzlichen-kindstod-sids
  • H.Jorch, A. Josten & Dr. V. Soditt. (2013). Sicherheit für mein Baby: Ein Ratgeber für Eltern. Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen Referat Presse. Düsseldorf.
  • H.Jorch & B.Schleimer. Plötzlicher Säuglingstod: Der Ohnmacht begegnen. GEPS. Gesehen am 10.11.2016 auf http://www.geps.de/cms/dokumente/Ploetzlicher_Saeuglingstod_-_Der_Ohnmacht_begegnen.pdf
  • H.Jorch (2010). Der Plötzliche Säuglingstod. 9.Auflage. GEPS DEUTSCHLAND e.V. Elternselbsthilfeorganisation Bundesgeschäftsstelle. Hannover.
  • H.Kinney & B.Tach. (2009). The Sudden Infant Death Syndrome. The New England Jounal of Medicine. 361(8). pp. 795-805
  • R.Kurz, T.Kenner, Ch.Poets, R.Kerbel, M.M.T.Vennemann et. G.Jorch. (2014). Der Plötzliche Säuglingstod. 2.Auflage. Springer-Verlag. Wien.